Worauf Headhunter und Recruiter bei der Online-Suche nach Kandidaten achten

Egal, ob Vorstand, Geschäftsführer:in, Projektspezialist:in, Fachmenschen in allen Disziplinen: Für Headhunter sind Plattformen wie LinkedIn und XING in jedem Fall ein extrem wichtiges Instrument für die Recherche nach Fach- und Führungskräften.

Alle, die sich dafür entscheiden, ein Profil anzulegen und dabei den Hintergedanken hegen, einen Karriereschritt zu tun, ohne sich bewerben zu müssen, sondern für besonders interessante Positionen von Headhuntern entdeckt und kontaktiert zu werden, sollten einige Regeln beherzigen. Denn: Headhunter achten auf bestimmte Details zuerst.

Autorin BP Döring

Beate Petra Döring
Senior Consultant HR

Vorweg gesagt sei, dass es bereits unzählige Veröffentlichungen zu diesem Thema gibt. „Alten Wein in neuen Schläuchen“ möchte ich hier natürlich nicht anbieten. Der Antrieb für diese Zusammenfassung ist der Gedanke, dass nützliche Hinweise auch in der „Auffrischung“ sinnvoll sind. Und dass sich so Manche oder Mancher im engsten Umfeld einfach nicht zu fragen traut.

Ein Profil in Netzwerken wie LinkedIn soll auf dem aktuellen Stand sein, Aktivitäten sollen stattfinden und die Kommunikation soll ebenso aktiv und zielführend sein. Kurz gesagt: Ein Profil bedarf der Hege und Pflege, und das regelmäßig. 

Wenn ein Headhunter eine konkrete Position zu besetzen hat, wird sie oder er mittels bestimmter Suchbegriffe fahnden. Das ist unabhängig von der Hierarchiestufe der offenen Position. Sie wird wahrscheinlich viele Profile „scannen“, um sich dann der engeren Auswahl zu widmen.

Wie also in die engere Auswahl beim Headhunter kommen?

Wichtig sind natürlich die am schnellsten zu erfassenden Details, die im besten Fall gleich in den ersten Zeilen des Profils ins Auge springen. Dazu gehört das Profilbild, die Positionsbezeichnung, die Kontaktinformationen und ggf. ein Slogan.

Wenn man dann in der engeren Auswahl ist, kommt es auf die Darstellung der fachlichen Qualifikationen und Kenntnisse an, die überzeugend sein muss. Ebenso wichtig ist die Lebendigkeit eines Profils, an der sich ablesen lässt, wie vernetzt und anerkannt jemand ist.

Was für ein Profilbild einstellen?

Der Beginn ist ein möglichst ansprechendes und professionelles Profilbild. Das springt nicht nur als erstes ins Auge, sondern prägt massiv den ersten Eindruck und die Wirkung im Netzwerk. Es ist immer zu bedenken, dass es nicht nur im eigenen Profil erscheint, sondern bei jedem Like oder Kommentar links daneben angezeigt wird. Deshalb unbedingt darauf achten, dass das Profilfoto in Farbgestaltung und Ausstrahlung passt und seriös wirkt.

Ist ein Slogan wichtig?

Oben auf jeder Profilseite, direkt unter dem Namen, steht der Slogan. Er wird von Headhuntern praktisch immer gelesen, und spielt deshalb eine wesentliche Rolle. Mit maximal 220 Zeichen sollten Arbeit und/oder Interessen beschrieben werden. Idealerweise ist er einzigartig und enthält wichtige Keywords unter denen ein Auffinden gewünscht ist – zum Beispiel Jobtitel/Positionsbezeichung, Schlüsselqualifikationen, Alleinstellungsmerkmale.

Tipp: Kombination aus 2-3 Keywords zur Profession und zur Mission, die durchaus plakativ und polarisierend sein können. Also nicht unbedingt: „Ich biete vernetzte Logistik-Dienstleistungen zu wirklich günstigen Preisen“. Besser ist: „Meine Mission ist es, die Supply-Chain in der Logistik zu optimieren“.

Artikel zum Profilslogan in LinkedIn, XING und Co. mit Tipps für den Elevator Pitch

AufzugknopfMit einen optimalen Slogan im XING-Portfolio, bei XING Coaches oder im LinkedIn-Profil erreichen Sie mehr! Durch den kompakten Elevator Pitch können Sie Besuchern auf den ersten Blick die richtigen Impulse geben.

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Wie setze ich Kontaktinformationen ein?

Zum Aufbau und zur Pflege eines Netzwerkes sollte eine schnelle und direkte Kontaktmöglichkeit bestehen – nicht nur auf LinkedIn. Unter den Kontaktdaten können Websites, Telefonnummern, E-Mail-Adresse und weitere Informationen für bestätigte Kontakte angeben werden. Dann können diese Sie schneller erreichen.

Tipp: Wer von inhaltsleeren Kontaktanfragen genervt ist, hat die Möglichkeit, im Menü unter „Sie“ den Punkt „Einstellungen & Datenschutz“ zu wählen, dort den linken Punkt „Sichtbarkeit“ und dort „Follower:innen“. Dort wird der Schieberegler unter „Folgen als Primäraktion festlegen“ auf „Ja“ gesetzt. Ist diese Option aktiviert, können Mitglieder, die Ihr Profil besuchen, Ihnen zunächst nur folgen. Das dämmt die werblichen Nachrichten ein.

Womit beeindruckt man noch auf dem Weg zum neuen Job?

Medien und Videos in den Berufserfahrungen

In der Profil-Zusammenfassung und innerhalb der Berufs-Etappen können weitere Medien hinzugefügt werden: Videos, Bilder und Links. Ein Hinweis auf Publikationen (Bücher, Zeitungsartikel, Gastbeiträge) oder aussagekräftige Inhalte wie Video-Clips und Grafiken, die Kompetenzen oder Arbeitsweise zeigen, werten Ihr Profil stark auf und beeindrucken Ihre persönlichen Kontakte.

Profilbeschreibung und Info

Mehr Platz zur Selbstbeschreibung als im Slogan ist in der Zusammenfassung („Info“) vorgesehen. Hier können Kompetenzen und Person mit einem Elevator Pitch beschrieben werden. Es sollten möglichst viele Keywords und Suchbegriffe verwendet werden. Das erhöht die Chance deutlich, von Headhuntern, potenziellen Kunden oder Kooperationspartnern über die Suche gefunden zu werden.

Tipp: Wer aktiv auf der Suche nach einem neuen Job ist, kann die Info mit einem „Call to Action“ beenden. Er fordert Recruiter oder Auftraggeber aktiv dazu auf, den Kontakt zu suchen. Maximal 60 Zeichen reichen aus. Beispiel: „Interkulturelle Kompetenz erforderlich? Jetzt kontaktieren!“

Kenntnisse

Neben „Berufserfahrung“ und „Ausbildung“ bietet die Sektion „Kenntnisse“ zielführende Möglichkeiten. Auch hier gibt es die Option, Keywords im Profil unterzubringen. Noch besser: Die Qualifikationen können von anderen LinkedIn-Mitgliedern bestätigt werden. Eine wesentlich glaubwürdigere Aussage als Eigenlob.

Wenn das LinkedIn-Profil optimiert wird, sind Beschreibungen, die nicht alle nutzen, sehr hilfreich. Nach einer Erfassung von LinkedIn sind im Jahre 2020 folgende Begriffe am meisten genannt worden und damit eher Allgemeinplätze: „Kommunikationsfähigkeit, Problemlösungskompetenz, Führungskompetenz, Projektmanagement.“

Posts und Beiträge

Wer auf LinkedIn relevante Nachrichten, Grafiken, Umfragen oder Interviews postet, taucht sehr viel häufiger im Feed seiner Follower und Kontakte auf – und steigert Sichtbarkeit und Reichweite. Wichtig ist, dass die Posts einen echten Mehrwert bieten. Es müssen nicht immer eigene Beiträge sein. Spannende Posts von anderen zu teilen, ist legitim.
Zum Optimieren des LinkedIn Profils gehört, nicht nur eigene Inhalte einzustellen, sondern mit dem Netzwerk zu kommunizieren, zu kommentieren und zu liken. Auch das steigert Sichtbarkeit und Online-Reputation.

Präsentation von Erfolgen

Bloß keine zu große Bescheidenheit! Die Präsentation von relevanten Erfolgen ist wichtig. Aber nur bei der richtigen Auswahl: Klasse, nicht Masse überzeugen! Dabei hilft die Überlegung, welche Erfahrungen und Fertigkeiten für Zielbranche oder im Wunschunternehmen wichtig sein könnten. Je spezieller und gefragter die Kenntnisse, desto besser – und desto höher die Wahrscheinlichkeit für ein Match.

Beteiligung an Gruppen und Diskussionen

Hier ist die Chance am größten, dass Headhunter auf Ihr Profil aufmerksam und neugierig werden. Gezielte Auswahl von Gruppen und Experten für das jeweilige Spezialgebiet steigern ebenso die Aufmerksamkeit anderer. Auch sachlich-kompetente und wertschätzende oder inspirierende Beiträge und Kommentare fallen auf.

Das Profil in mehreren Sprachen zeigen

Es gibt die Möglichkeit, das persönliche Profil bei LinkedIn bei LinkedIn in mehreren Sprachen zu veröffentlichen. Auf die gewünschte Position bezogen, sollte die Möglichkeit genutzt werden. Generell ist es eine Überlegung wert, das Profil in jedem Fall auf Deutsch und Englisch zu veröffentlichen.

Und nicht vergessen: geben Sie immer, auch wenn es nur Deutsch ist, Ihre Muttersprache im Bereich Qualifikationen und Auszeichnungen an.

Wie kann man möglichst vorsichtig und unerkannt für Vorgesetzte und Kollegen Wechselbereitschaft zeigen?

Es gibt einige technische Tipps, wie eine positive und wirkungsvolle Darstellung aussehen kann, ohne gleich alle Welt darauf aufmerksam zu machen, dass eventuell ein Jobwechsel angestrebt ist.

Datenschutz und Datensicherheit auf LinkedIn

Wenn Kollegen oder gar der Chef auf LinkedIn über Ambitionen oder gar Wechselmotivation stolpern, kann das unangenehm enden. Um hier Diskretion auf LinkedIn sicherzustellen, optimieren Sie unbedingt die Privatsphäre-Einstellungen!

Das gilt besonders für das Aktivitätenprotokoll. Sobald Status oder Foto geändert werden, erfährt das Netzwerk normalerweise automatisch davon. Diese Funktion sollte deaktiviert werden, da neue Profilbilder und Verbesserungen am Lebenslauf ein veritables Indiz für einen geplanten Jobwechsel sind.

Résumé

Generell kommt es bei der Darstellung der eigenen Person also auf viele Dinge an, die auch in einem altmodischen, analogen Lebenslauf zu finden wären. Ein professionelles Profil auf LinkedIn bietet sehr viel mehr Möglichkeiten, sich zu präsentieren. Wichtig ist, sich klar zu machen, ob das erste Ziel ein möglicher Jobwechsel ist, oder ob Akquisition, Netzwerkerweiterung, Finden von Kooperationspartnern oder evtl. die Mitarbeitersuche Priorität hat.

Für jede Zielrichtung gleich bleibt, dass ein professionell gepflegtes Profil und das Ausnutzen aller interaktiven Möglichkeiten die Erfolgschancen erhöht.

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